Ein Angebot der Evotec GmbH, Arnsberg

Bezugsfläche und Maßkette

Am Altteil beginnt jede brauchbare Maßaufnahme mit einer Entscheidung: Von welcher Fläche aus wird gemessen? Gewählt wird eine Fläche, die am Teil eine Funktion hat und sich sauber an das Messmittel anlegen lässt, meist eine Stirnfläche oder die Anlagefläche eines Bundes. Sie ist der Nullpunkt. Alle Längenmaße gehen von dort aus, jedes für sich, und zusätzlich wird die Gesamtlänge gemessen.

Die Gesamtlänge ist die Gegenprobe. Stimmt sie mit dem überein, was die Einzelmaße ergeben, ist die Aufnahme in sich schlüssig; weicht sie ab, hat sich an einer Stelle ein Fehler eingeschlichen. Wer dagegen Absatz an Absatz misst, also jede Stufe vom Ende der vorigen aus, addiert die Messfehler jeder Stufe, ohne es zu merken. Die Grundregeln der Bemaßung beschreibt ISO 129-1; die Skizze zeigt beide Wege nebeneinander.

Benennen Sie die gewählte Fläche im Bogen und, wenn es geht, auf einem Foto. Wer später aus Ihrer Aufnahme eine Zeichnung ableitet, weiß dann, wo der Nullpunkt liegt.

Maßaufnahme: von der Bezugsfläche aus statt als Kette Zwei Skizzen desselben frei erfundenen Absatzteils. Oben gehen alle Längenmaße parallel von der hervorgehobenen Bezugsfläche aus, die Gesamtlänge dient als Gegenprobe. Unten sind die Absätze als Kette Maß an Maß gemessen, dabei summieren sich die Messfehler. Schema ohne Zahlenwerte. l1 l2 l3 L Alle Maße gehen von der Bezugsfläche aus. Gesamtlänge dient als Gegenprobe. l1 l2 l3 l4 Als Kette gemessen, summieren sich die Messfehler. Richtig: von der Bezugsfläche aus Vermeiden: Maß an Maß
Skizze: Längenmaße von der Bezugsfläche aus und als Maßkette, Schema ohne Zahlenwerte.

Zapfen laufen sich ein, Bohrungen weiten sich auf, Gewinde verlieren Flanken. Was Sie am Altteil messen, ist das Istmaß dieses Zustands. Das ursprüngliche Sollmaß lag je nach Verschleiß ein Stück daneben, und ein Teil, das nach dem gemessenen Istmaß entsteht, würde den Verschleiß mitnehmen.

Deshalb kennt der Bogen den Zustand jedes Merkmals: maßhaltig, verschlissen, beschädigt oder nicht messbar. Bei einem Sitz, der verschlissen oder beschädigt ist, fragt er nach dem Gegenstück. Dessen Bohrung oder Zapfen ist meist weniger beansprucht und zeigt das Sollmaß. Liegt kein Gegenstück vor, hilft eine Katalogangabe oder das Maß aus einer Baugruppenzeichnung.

Rückfrage statt Raten ist hier die einzige saubere Lösung: Fehlt das Sollmaß, bleibt es als offener Punkt in der Anfrage stehen, und gemeinsam wird geklärt, woher es kommt. Wie Passungen aufgebaut sind, regelt ISO 286-1; diese Seite beschränkt sich darauf, den Sitz am Altteil einzuordnen.

Normbezug: ISO 129-1 für die Maßangaben. Die Hinweise zu Sitz und Verschleiß sind Ordnungsregeln dieser Seite und keine Norm.

Für die Aufnahme genügen die Messmittel einer Instandhaltung: ein Messschieber für Längen und Durchmesser, Radienlehren für Rundungen, eine Gewindelehre für die Steigung und eine Messuhr, wenn ein Rundlauf interessiert. Entscheidend ist weniger das Gerät als die Gewohnheit, es im Bogen zu vermerken: Welches Messmittel wurde benutzt, und wie genau konnte abgelesen werden?

Jede Messung hat eine Unsicherheit, und bei Zapfen mit Verschleiß ist sie größer als bei einem neuen Teil. Messen Sie deshalb an mehreren Stellen und in zwei Richtungen quer zur Achse, und notieren Sie, wo der Wert am stärksten abweicht. Zahlen zur Genauigkeit eines Messmittels nennt diese Seite bewusst nicht; sie stehen in der Anleitung Ihres Geräts.

Eine einfache Regel hilft bei der Aufnahme: Messen Sie nie nur einmal, wenn ein Wert später ein Sitz oder ein Gewinde bestimmt, und notieren Sie Abweichungen zwischen den Messungen, statt sie zu mitteln. Wer zwei Werte aufschreibt, gibt der Rückfrage mehr Information als einer, der still einen Mittelwert bildet.

Tragen Sie im Bogen „unbekannt“ ein und beschreiben Sie dafür, was das Teil leisten muss: die Funktion, das Medium, mit dem es in Berührung kommt, und die Temperatur im Betrieb. Einfache Proben wie Magnet oder Funkenprobe geben nur Hinweise. Verlässlich bestimmt ein Prüflabor den Werkstoff, auf Ihre Veranlassung und unabhängig von einem Angebot.

Nennen Sie außerdem, wo das Teil eingebaut war: in einer Anlage im Freien oder in einer trockenen Halle, in einem Ölbad oder an der Luft. Medium und Einbaulage sagen mehr über die Anforderungen an das Teil als jede Vermutung über das Material. Auch Hinweise wie Farbe, Gewicht im Vergleich zu einem bekannten Teil oder Spuren von Korrosion gehören in den Text, ohne dass Sie daraus Schlüsse ziehen müssen.

Zusagen zum Werkstoff gibt die Anfrage nicht her, und der Bogen gibt sie auch nicht. Er macht die Lücke sichtbar, damit die Rückfrage sie schließt, noch ehe über ein Angebot gesprochen wird. Ob sich der Werkstoff liefern lässt, beantwortet das Angebot.

Häufige Fragen

Von einer Bezugsfläche aus messen, Verschleißstellen kennzeichnen und für Sitze das Gegenstück messen. Das Istmaß eines verschlissenen Sitzes ist nicht das Sollmaß.

„Unbekannt“ in die Anfrage schreiben und Funktion, Medium und Temperatur nennen. Ob der Werkstoff bestimmt werden muss, klären wir in der Rückfrage.

Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026

Altteil in der Hand? Dann beschreiben Sie es uns.

Schicken Sie den ausgefüllten Bogen, Fotos und, wenn vorhanden, eine Skizze. Was noch offen ist, klären wir in einer Rückfrage, bevor ein Angebot entsteht.

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